Geschichte der Marine-Jugend

Einige Kameraden der Marinekameradschaft Hof e. V. glaubten zuerst an einen Aprilscherz, als im April 1977 die Marine-Jugend als eine Jugendgruppe der MK Hof gegründet wurde. Es war vor allem der Verdienst des damaligen Standortältesten der Bundeswehr, Kapitän zur See Wilhelm Maihofer, dass dieser Schritt möglich wurde. Er war es, der die Räumlichkeiten, mitsamt dem erforderlichen Mobiliar in der General-Hüttner-Kaserne zur Verfügung stellte, um eine effiziente Jugendarbeit zu gewährleisten.

Mit dem ersten Jugendleiter Günter Grünert stellte sich Kamerad Günther Bär sowie ein Amateurfunker für die Ausbildung und Betreuung der Jugendlichen zur Verfügung. Das theoretische Wissen über Seemannschaft wurde von Fregattenkapitän Manfred Schimke vermittelt. Anfangs ging es nur zögerlich voran, was aber daran lag, dass - wie wir alle wissen - die Theorie etwas trocken und staubig ist.

Als zweiter Jugendleiter übernahm dann Norbert Gumpinger die Jugendgruppe. Die Marine-Jugend Hof entdeckte dann auch die musikalische Seite und bildete einen Chor. Als dann die MK Hof einen ausgemusterten Kutter aus den Beständen der Bundesmarine übernahm, war es nun auch endlich möglich, die erworbenen theoretischen Kenntnisse auch in der Praxis umzusetzen. Dies gab unserem Verein einen neuen Aufschwung, so dass die Mitgliederzahl von 12 auf 28 wuchs. Darunter waren auch nun Mädchen vertreten.

Im Jahr 1979 übernahm nun Peter Seumel als 1. Vorstand das Ruder der MJ, Tatkräftige Unterstützung bekam er von Roland Raithel, Gunter Frank, Uli Meyer und Hans Kaiser. Ebenfalls in diesem Jahr trat die Marine-Jugend Hof der Deutschen Marine-Jugend e. V. als Dachorganisation bei. Der formierte Jugendchor, der heute leider nicht mehr besteht, unter Anleitung von Hans Kaiser, wurde bei vielen maritimen Veranstaltungen gerne gesehen und gehört. Die ersten zwei Segelboote eine Jolle und ein Optimist, wurden zusammen mit dem inzwischen renovierten Kutter auf dem Förmitzspeicher, unserem ersten Segelrevier, eingesetzt.

Größere Ereignisse werfen ja bekanntlich ihre Schatten voraus und so war es am 20.07.1981 so weit. Als Auftakt zu einer maritimen Woche in Hof wurde der Grundstein für unser heutiges Jugendheim gelegt. Durch den Einsatz aller Mitglieder und der tatkräftigen Unterstützung der Stadt Hof und der MK Hof, konnte dieses Heim fertiggestellt werden. Die vielen Arbeitsstunden hinderten uns jedoch nicht daran, weitere Glanzlichter in diesem Jahr zu setzen. Mit den bayerischen Segelmeisterschaften der Marine-Jugend bestritt die MJ Hof unter der Schirmherrschaft von Wilfried Anton die erste Segelregatta auf dem neu eingeweihten Untreusee, der noch viele weitere Regatten folgen sollten.

Neben den wöchentlichen Gruppenstunden wurden die angebotenen Kurzfreizeiten im Bärenhäusl, auf der Viceburg oder im Gerlaser Forsthaus immer wieder gerne angenommen. Diese Ausflüge schweißte die Gruppe zusammen und blieb für lange Zeit ein fester Bestandteil im Vereinsleben.

Im September 1982 konnte schließlich nach eineinhalbjähriger Bauzeit das neue Heim eingeweiht werden. Mit den erweiterten Möglichkeiten eines eigenen Jugendheimes konnte auch das Angebot erweitert werden, woraufhin auch Segelkurse in Theorie und Praxis für den A-Schein, der heutige Sportboot Führerschein Binnen und der Jüngstenschein, angeboten und durchgeführt wurden. Nicht zuletzt auch durch die Sportbootschule der MJ Hof unter der Federführung von Kapitän zur See Bodo Schimborski sowie Jürgen und Karsten Schiller.

Die Chance, sich als Verein nach außen hin zu präsentieren, wurde nun auch immer häufiger genutzt. So ist die Marine-Jugend Hof seit ihrem Bestehen beim jährlichen Volksfestumzug vertreten, wobei die Masthöhe der mitgeführten Boote uns manchmal ganz überraschend vor Probleme mit den Straßenlaternen gestellt hat. Auch waren wir bei verschiedenen städtischen Veranstaltungen mit einem Stand vertreten, wie z. B. beim Weltkindertag in der Altstadt bzw. im Bahnhofsviertel, dem Jugendverbändetag oder bei der „Woche der Vereine“.

Als weiterer Schwerpunkt im Vereinsleben, vor allem in der kalten Jahreszeit, erweist sich der Modellbau, insbesondere der von Schiffsmodellen. In unzähligen Gruppenstunden entstanden unter der Leitung von Norbert Funk viele Modelle, welche auf Modellbauwettbewerben den Blicken der Jury unterzogen und bewertet wurden. Auch wurden etliche Knotentafeln, Uhren und weitere maritime Accessoires hergestellt, welche dann verkauft oder als Präsent überreicht Verwendung fanden.

Durch die Deutsche Marine-Jugend war es für unser Mitglied Alexander Spörl im Jahr 1986 möglich, im Rahmen eines Jugendaustausches nach Kanada zu fliegen. Die „Royal Canadian Sea Cadets“ als Pedant zur Marine-Jugend in Deutschland luden Angehörige maritimer Jugendgruppen aus aller Welt zwei Wochen in ihr Land ein. Mit fünf weiteren MJ-lern aus ganz Deutschland verbrachte er zwei herrliche Wochen in den Ausbildungsstätten der dortigen Jugendlichen und kam hierbei viel herum, wie z. B. nach Kingston, Ottawa, Winnipeg oder zur Weltausstellung nach Vancouver.

 

Im Jahr 1989 wechselte die Vereinsführung von Peter Seumel auf Roland Raithel. Letzterer wirkt heute noch sehr aktiv am Vereinsgeschehen mit.

Dass die Marine-Jugend Hof nicht nur auf dem maritimen Sektor zu Hause ist, beweist der Bau unseres Drachens. Unter der Anleitung von Egon Böhner entstand ein Deltadrache von vier Metern Spannweite, der nicht nur am Untreusee für Aufsehen sorgt, sondern uns auch bei unseren Freizeiten stets begleitete.

Herausragend waren weitere Freizeiten in Kiel und Wilhelmshaven. Den Kontakt zum damaligen Patenboot der Stadt Hof, dem Binnenminensucher „Frauenlob“ wurde durch eine Woche Freizeit in Neustadt/Holstein, wo die Frauenlob stationiert war, gepflegt.

Im Jahr 1989 stand ein weiteres Highlight auf dem Programm, denn es gelang uns die Deutschen Segelmeisterschaften der Marine-Jugend nach Hof zu holen. So kämpften Segler aus ganz Deutschland am Untreusee um die Meisterschaft. Nach dem Fall der Mauer wurden Kontakte mit dem SSC Plauen sowie der Marine-Jugend Zwickau geknüpft, resultierend auch daraus, dass es in Bayern keine Marine-Jugendgruppen mehr gab. So lösten sich Bamberg, Erlangen, München, Ingolstadt und Passau auf oder orientierten sich zu den European Sea Scouts um, während sich die MJ-Hof am 26.09.1991 beim AG Hof ins Vereinsregister eintragen ließ.

Um eben diesen gleichgesinnten Gruppen eine Übernachtung bei uns zu ermöglichen, schaffte sich die MJ Hof einen alten Bauwagen an und baute ihn zum „Schlafwagen“ mit acht Kojenplätzen um . Um nicht aus der Übung zu kommen wurde 1994 das Vereinsheim durch einen Anbau erweitert, welcher eine kleine Küche, eine Getränkelast sowie einem Heizöllagerraum beherbergt. Wie alle Arbeiten, wurde auch dieser Umbau wiederum von den Jugendlichen in Eigenleistung ausgeführt.

1999 wurde von der MK Dresden ein Kutter der Klasse ZK 10 erworben, so dass nun die MJ Hof neben der MK Hof ebenfalls einen „Zweimaster“ ihr Eigentum nennen kann. Der Bootsbestand wuchs rapide an. Momentan verfügen wir über insgesamt sieben Optimisten, fünf Jollen, einen Kutter sowie einen Canadier.

2003 gab es dann einen erneuten Vorstandswechsel, denn Mirco Schlegel übernahm den ersten Vorsitz. In diesem Jahr veranstalteten wir noch eine dreitägige „Kutterfreizeit“ am Brombachsee auf dem Gelände der dortigen Jugendherberge.

2007 erhielt die Marine-Jugend Hof die höchste Auszeichnung seit Bestehen, nämlich den Jugendpreis der Stadt Hof, welcher mit 600 Euro dotiert war. Diese Ehre bekamen wir für unsere Jugendarbeit, aber auch für unser Engagement im Rahmen des Ferienprogramms des Stadtjugendringes seit nunmehr 20 Jahren. Natürlich geschieht dies nicht ganz uneigennützig, denn so konnten wir hierbei so manches Mitglied gewinnen.

Auch nahmen wir in diesem Jahr an Pfingsten am Bundesjugendzeltlager des DMB am Bodensee teil. Der Marineverein Stuttgart lud hierzu ein und wir verbrachten eine fantastische Woche mit Segeln, Baden am Jugendzeltplatz in Konstanz- Litzelstetten. Die Kultur kam natürlich dabei auch nicht zu kurz, denn wir besuchten die Pfahlbauten in Unteruhlingen sowie die Insel Mainau.